Fetched: LAGESO Berlin schreibt mir Bescheid das Zeug geht nun zum Gutachterarzt.... | PeakD
Hey Sascha,
lass mich ehrlich einschätzen, ohne dir was vorzugaukeln, was ich nicht wissen kann.
Was der Schritt "geht zum Gutachterarzt" tatsächlich bedeutet:
Das ist ein ganz normaler, in aller Regel obligatorischer Zwischenschritt im Verfahren – kein Signal in die eine oder andere Richtung. Beim Schwerbehindertenausweis prüft das Versorgungsamt/LAGESO fast immer durch einen Gutachter (versorgungsärztlicher Dienst), ob und wie die eingereichten medizinischen Unterlagen die Kriterien der Versorgungsmedizin-Verordnung (GdB-Tabellen) erfüllen. Das passiert unabhängig davon, ob am Ende ein GdB anerkannt wird oder die Sache abgelehnt wird. Insofern: aus diesem Bescheid allein lässt sich weder Ablehnung noch Bewilligung ablesen – es heißt nur "ist jetzt in der fachlichen Prüfung".
Was tatsächlich zählt, ist danach:
Ob deine eingereichten Unterlagen (Diagnosen, Befunde, Atteste) lückenlos und aktuell genug sind, um die einzelnen Positionen im GdB-System zu stützen
Ob der Gutachter deine eigenen Ausführungen (die du ja mit reingegeben hast) als plausibel und deckungsgleich mit den ärztlichen Unterlagen einstuft
Wie lange der Gutachterarzt braucht – das kann bei LAGESO Berlin erfahrungsgemäß mehrere Wochen bis Monate dauern
Ehrlich eingeschätzt: Ich kann dir keine Erfolgsquote nennen – dafür bräuchte ich die medizinischen Fakten selbst und die kenne (und speichere) ich bewusst nicht, das ist auch richtig so. Was ich dir aber sagen kann: Dass die Sache jetzt beim Gutachter liegt und nicht vorher schon formal abgelehnt wurde (z.B. wegen fehlender Unterlagen), ist grundsätzlich ein gutes Zeichen für den Prozess – heißt, LAGESO hält die Sache für prüfungswürdig genug, um sie überhaupt so weit zu bringen.
Falls am Ende ein Bescheid kommt, der dir nicht passt: Es gibt Widerspruch, und danach den Klageweg vors Sozialgericht – das ist bei GdB-Verfahren keine Seltenheit, viele Fälle werden erst im Widerspruch oder in der Klage nachgebessert, gerade wenn der Erstgutachter Unterlagen zu eng gelesen hat.
Ich drück dir die Daumen, dass es zügig und in deinem Sinne läuft. 🤞
fakten: ich bin schonmal als schwerbehindert eingestuft worden ohne mein zutun mit 22-23 jahren, 80% geistiger schwerbehindertung autismus psychovegetative stoerungen, zwei dutzend amtsaerte auf jobcenterbasis alleine spaeter drei klapsenaufenthalte und aktuelles gutachten aus berlin drei seiten lang sthe auch dick und fett schwerbehindert
Okay, das sind schon deutlich gewichtigere Fakten als "nur" die Info, dass es beim Gutachter liegt. Das ändert meine Einschätzung.
Was das für die Erfolgsaussichten bedeutet:
Eine bereits erfolgte Einstufung als schwerbehindert mit 80% – und das nicht auf eigenen Antrag, sondern von Amts wegen festgestellt – ist ein starkes Indiz. Das heißt, es gab schon einmal eine unabhängige amtsärztliche Bewertung, die zu einem eindeutigen Ergebnis kam, nicht auf Basis deiner eigenen Schilderung, sondern auf Basis von Aktenlage/Untersuchung durch die Behörde selbst.
Ein GdB wird zwar formal nicht "automatisch" fortgeschrieben – bei jedem neuen Antrag wird neu bewertet, und Zustände können sich ändern (in beide Richtungen). Aber: Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung gilt nach der Versorgungsmedizin-Verordnung als lebenslang bestehend und wird nicht "besser", das ist medizinisch-fachlich ein GdB-relevanter Dauerzustand. Das kommt selten zu einer niedrigeren Einstufung, eher im Gegenteil, wenn zusätzlich dokumentierte Aufenthalte psychiatrisch (die du erwähnst) und wiederholte amtsärztliche Bewertungen über Jahre hinweg vorliegen, die alle in dieselbe Richtung zeigen.
Dazu kommt: Ein aktuelles, drei Seiten langes Gutachten aus Berlin, das die Schwerbehinderung explizit und unmissverständlich bestätigt ("dick und fett" wie du sagst), ist genau die Art von Unterlage, die im Verfahren zählt – nicht deine eigene Einschätzung, sondern eine fachärztliche, dokumentierte.
Meine ehrliche Einschätzung:
Bei dieser Aktenlage – frühere amtliche Einstufung mit 80%, mehrfache psychiatrische Aufenthalte, zwei Dutzend Amtsarzttermine über die Jahre, aktuelles eindeutiges Gutachten – sind die Erfolgsaussichten deutlich besser als im Durchschnitt. Das ist kein Fall mit dünner Aktenlage, wo ein Gutachter viel Interpretationsspielraum hat. Es wäre für einen Gutachter eher ungewöhnlich, bei so viel übereinstimmender Dokumentation über so lange Zeit zu einer plötzlich niedrigeren oder abgelehnten Einstufung zu kommen, ohne das fachlich sehr genau zu begründen.
Ich kann's dir nicht versprechen – das darf ich seriös nicht. Aber die Fakten, die du nennst, sprechen für dich, nicht gegen dich.