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Unser erster Ekiben 👹🍣🎎 Mein Japan

IMG_1670.JPG In Sachen Essen und Esskultur hat Japan fürwahr eine ganze Menge zu bieten, und es verwundert deshalb nicht, dass Tokio die Stadt ist, in der weltweit gesehen, die meisten Michelin-Sterne-Restaurants befinden. Und diesen ersten Platz hält die japanische Hauptstadt unangefochten mit großem Abstand vor der französichen Metropole Paris. Auf Platz drei und vier dieser Rangliste folgen mit Kyoto und Osaka gleich noch zwei weitere japanische Städte, bevor dann auch New York mitspielen darf.

Aber natürlich ist die Michelin-Bewertung für normale Menschen wie uns nicht wirklich ausschlaggebend, und ich würde in solchen Restaurant wohl eher wie ein Elefant im Porzellanladen wirken. Mit guter Hausmannskost kann man mich eigentlich am meisten begeistern, und das, was meine Mutter gekocht hat, schmeckt mir auch heute immer noch am besten. Der Geschmack aus der Kindheit überlebt sich halt nie und weckt dabei meist ziemlich angenehme Erinnerungen.

Aber auch in Japan habe ich eine ganze Menge zu essen gefunden, womit ich mich nur zu gerne jeden Tag ernähren würde. Und dabei muss es nicht immer nur Sushi sein, wobei mir die kleinen Reishäppchen, zu denen oft ein Stückchen roher Fisch gehören, zu jeder Zeit munden. Es geht vieles mehr, was mir hier im Land der aufgehenden Sonne schmeckt, schlicht angefangen beim Reis, welcher hier bei uns in der Region einen wirklich guten Ruf hat. Reis ist das wichtigsten Grundnahrunsgmittel in Japan und damit kann man bereits eine ganze Menge anfangen und drumherum sein eigentliches Gericht aufbauen.

Und die Japaner essen nicht nur gerne zu Hause oder in einem der wirklich unzähligen großen und kleinen Restaurant, die man im ganzen Land überall finden kann. Auch wenn man unterwegs ist, wird gerne gegessen, obwohl man dabei unbedingt auf die Etikette achten sollte. Laufen und Essen geht hier in Japan nämlich gar nicht und wird als ganz großer Verstoß gegen die allgemeinen Manieren angesehen. Im Fall der Fälle würde man vielleicht damit durchkommen, beim Laufen ein Eis zu essen, aber auch dafür würden die Japaner sich normalweise irgendwo hinsetzen oder zumindest stehen bleiben bis sie fertig sind.

Trotzdem essen die Japaner, wenn sie unterwegs sind, was dem Japanreisenden sofort auffällt, wenn sie in einen Shinkansen, den japanischen Superschnellzug, steigen. Viele Reisenden fangen unmittelbar, nachdem sie sich hingesetzt haben, damit an, aufgeregt und beschäftigt, in ihren Taschen zu kramen und am Ende etwas zum Essen herauszuholen. Meist haben sie dies bei einem der vielen kleinen Convenience-Stores gekauft, welche man natürlich auch an den Bahnhöfen finden kann.

Manchmal ist es nur ein kleiner Reisball, der herausgeholt wird. Aber öfters doch etwas Größeres, eine Bento 弁当 genannte kleine Box oder Schachtel, in der sich mehrere Speisen befinden. Das Bento ist in Japan eine ganz große und wichtige Sache, und wohl mal einen eigenen Artikel hier wert. Zumindest sei hier erwähnt, dass ihre Geschichte bis ins 5. Jahrhundert zurückreichen soll.

Wir schauen heute auf einen Vertreter der Bento-Kultur, auf den Ekiben 駅弁. Der Name Ekiben setzt sich zusammen aus den zwei Schriftzeichen 駅 Eki für Bahnhof und 弁 Ben vom Bento. Wobei man nun sofort weiß, worum es sich bei, Ekinben denn handelt, nämlich um eine Essensbox, die vor allem an Bahnhöfen aber manchmal auch in den Zügen direkt verkauft wird.

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Auch die Geschichte der Ekiben geht zurück und fängt am Ende des 19. Jahrhunderts an. Es wird angenommen, dass im Jahr 1885 am Bahnhof Utsunomiya die ersten Essensboxen direkt direkt an Zugereisende verkauft wurden, die mit der neuen Bahnlinie nach Tokio fahren wollten. Immer mehr lokale Verkäufer fanden sich an den Bahnhöfen ein, um die Reisenden mit selbstgemachten Gerichten wie Reisbällen oder kleinen Schachteln mit Reis und einigen Zutaten zu versorgen

Kurz darauf begannen viele Stationen, eigene Ekiben anzubieten, die aus lokalen Spezialitäten zubereitet wurden und welche sich im Laufe der Zeit immer größerer Beliebtheit erfreuten. Der Höhepunkt der Ekiben war in den 1970'er Jahren, als auch viele ganz normale Japaner die Möglichkeit hatten, sich an den Annehmlichkeiten des Zugreisens zu erfreuen. Das Aufkommen von Flugreisen und von immer schnelleren Zügen beendete dann aber dieses "Goldene Zeitalter der Ekiben".

Nachdem zum Ende des letzten Jahrhunderts aber die meisten Speisewagen abgeschafft wurde, nahm die Popularität der Ekiben aber wieder zu, und viele Reisende kaufen sich vor der Zugreise schnell noch eine kleine Bentobox, um diese dann später im Zug zu verspeisen.

Auch wenn sich die meisten Reisenden nur eine ganz normale Bentobox kaufen, gibt es an vielen größeren Bahnhöfen immer noch Geschäfte, die ganz auf Ekiben spezialiert sind und Essensboxen verkaufen, in denen weiterhin besondere lokalen Spezialitäten fast kunstvoll arrangiert werden.

An vielen Orten sind Ekiben für Touristen zu besonderen Souvenirs geworden, welche in einzigartigen Behältern und attraktiven Verpackungen verkauft werden. Der Aufmachung, in der in Japan das Essen serviert wird, wird traditionell große Beachtung geschenkt, was das ganze Erlebnis drumherum noch einmal ordentlich erhöht.

Preislich sind die Ekiben natürlich über den normalen Bentoboxen angesiedelt, aber man bekommt dafür auch etwas nicht unbedingt alltägliches serviert, was einem noch einmal den Charm des Ortes, von dem man gerade abreist, spüren lässt. Vielleicht ist das ja in unser schnelllebigen Zeit auch ein Grund dafür, dass sich die Ekiben auch heute noch größerer Popularität erfreuen.

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Bei einer letzten Zugfahrt wurden nun auch wir gedrängt, dem Ruf der Ekiben endlich nachzugeben. Die Kleinen hatten es sich in den Kopf gesetzt, im Zug unbedingt ein Ekiben essen zu wollen und davon wollten sie sich auch gar nicht abbringen lassen.

Aber gut, warum denn auch nicht. In Angesicht des besonderen Anlasses unserer Reise kauften wir im eigenen Ekiben-Laden in unserem Hauptbahnhof zwei Yukidarumabento 雪だるま弁当, zwei Schneemannsessensboxen. Die Kleinen hatten sie sich selber ausgesucht, was möglichweise auch stark an der Form der Darreichung lag. Wer möchte nicht auch einmal direkt aus einem Schneemann essen?

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Der Schneemann war noch einmal in eine Plastiltüte eingewickelt. Wer schon einmal in Japan war, weiß, dass hier alles mehrere Male, und damit oft viel zu oft und zu viel, eingewickelt ist. Aber gut, auch das ist ein anderes Thema.

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Hier haben wir nun unseren Yukidarumabento, unseren Schneeman, welcher man in diesem Augenblicj noch nicht ansieht, was sich wohl in seinem Inneren befinden wird. Aber zu lange wollen wir hier auch gar nicht warten, sondern machen ihn besser sofort auf.

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Nun ja, noch versteckt sich der Inhalt weiterhin, unter einer weiteren dünnen Abdeckung, auf der aber bereits die Hashi, die Essstäbchen finden, mit denen wir unser Ekiben gleich verspeisen werden.

IMG_1680.JPG Und Voila, da wären wir! So sah es in unserem Ekiben aus, bevor wir die Essstäbchen angesetzt hatten. Wie erwartet größte uns ein fast künstlerisches Arrangement von verschiedenen Speisen, durch die man sich nun langsam und genüsslich durchessen durfte.

Unter allem befand sich eine Schicht mit Reis, welche die Grundlage von den meisten Bentoboxen ist. Darauf waren einige lokale Spezialitäten angerichtet, wie zum Beispiel eingelegtes Gemüse, ein Shitake-Pilz und auch ein wenig Eierflocken und angebratenes Hackfleisch. Sogar eine Kirsche und ein kleines Ei lagen mit in der Box, wobei ich mir nicht sicher war, welcher Vogel den dieses Ei gelegt hatte.

Für den neugieren Genießer gab es hier also so einiges zu entdecken, wobei wir dann aber feststellen mussten, dass unser Ekiben geschmacklich nicht unbedingt für die kleinste Zielgruppe gemacht war. Einige der kleinen Speisen in unserer Box waren eher für den erwachsenen Gaumen prädestiniert, aber da wir ja mitgessen hatten, blieb am Ende natürlich nichts übrig.

Aber wichtig war hier vor allem der Spaß an der Sache, und den hatten vor allem die Kleinen dann ja auch gehabt. Angefangen bei der Vorfreude auf ihr erstes Ekiben, über das gemeinsame Aussuchen im Ekiben-laden und bis zum späteren Öffnen und Vertilgen der Essensbox. Und wenn sich die Kleinen freuen, geht es natürlich auch uns Großen ganz gut.

Nun ja, damit kann auch ich mein erstes Ekiben abhaken und eine weitere Erfahrung auf meine lange Liste schreiben. Wie bereits erwähnt, in Sachen Essen hat Japan ziemlich viel zu bieten, und ich bin diesbezüglich nur selten enttäuscht worden. Aber es gibt hier auch noch eine ganze Menge zu entdecken, und zu gegebener Zeit werde ich werde meiner Neugier natürlich wieder nachgeben.

Aber bis dahin gibt es hier in Japan ja auch eine ganze Menge an Essen und an Gerichten, denen ich gerne eine zweite Chance geben möchte. Nun ja, zugegeben, bei manchen Sachen gibt es diese Chance ununterbrochen, den ich habe ich im Laufe der Zeit so einiges gefunden, was mit schmeckt und was ich gerne öfters auf dem Esstisch vor mir zu stehen habe. In diesem Sinne bleibt mit wohl nur noch eins zu sagen:

~ ITADAKIMASU! いただきます!

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Comments · 1

  • @w74(74)· 8h

    Die Rolle als Elefant im Porzellanladen ist bereits von einer völlig anderen Spezies reserviert. Nämlich von denen, die fest davon überzeugt sind, mit Geld alles regeln zu können. Da rückt der gesittete Umgang mit Lebensmitteln oft in einem enormen Tempo in den Hintergrund. Meine erste Begegnung mit den Köstlichkeiten der japanischen Küche liegt inzwischen viele Jahre zurück und ereignete sich im inzwischen geschlossenen Restaurant »Mifune« in München. Seit jenem Abend bin ich infiziert! Am Hauptbahnhof in Zagreb sind die fernen Verwandten der Ekiben meist lediglich mit Ćevapčići und rohen Zwiebeln befüllt. Aber, auch dies könnte sich ja noch ändern. Viel Hoffnung schlummert jedoch nicht in mir. :-)

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