
Ich habe diese politischen Lagerkämpfe satt
Ich werde mich mit diesem Beitrag vermutlich bei einigen Menschen unbeliebt machen. Bei Freunden, Bekannten, Rechten, Linken und wahrscheinlich auch bei denen, die sich irgendwo dazwischen einordnen.
Aber ganz ehrlich: Ich kann diesen ganzen politischen und medialen Irrsinn nicht mehr ertragen.
Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag auf den Berliner CSD wird wieder das übliche Schauspiel beginnen. Die einen werden versuchen, den islamistischen Hintergrund möglichst kleinzureden. Die anderen werden die Tat benutzen, um pauschal gegen Muslime und Migration zu hetzen.
Beides ist falsch.
Islamisten hassen Schwule, Lesben und queere Menschen. Rechtsextreme tun es ebenfalls. Wer sich wirklich für die Freiheit queerer Menschen interessiert, kann nicht bei der einen Form des Extremismus laut werden und bei der anderen plötzlich schweigen.
Man muss mehrere Dinge gleichzeitig sagen dürfen:
- Die israelische Regierung betreibt aus meiner Sicht eine rassistische und menschenverachtende Politik.
- Die Hamas ist eine Terrororganisation.
- Deutschland hat ein erhebliches Problem mit Islamismus.
- Deutschland hat ein erhebliches Problem mit Rechtsextremismus und Neonazis.
- Auf verschiedenen politischen und religiösen Seiten gibt es zu viele Menschen, die Gewalt zumindest rechtfertigen, relativieren oder billigend in Kauf nehmen.
- Und es gibt kaum noch einen ernsthaften Austausch zwischen den Lagern.
Warum muss eigentlich jeder internationale Konflikt auf deutschen Straßen, in deutschen Talkshows und unter deutschen Social-Media-Beiträgen bis aufs Blut ausgefochten werden?
Wer die israelische Regierung kritisiert, wird sofort als Antisemit bezeichnet. Wer die Hamas und islamistischen Terror verurteilt, gilt plötzlich als rechts. Wer die Unterstützung der Ukraine hinterfragt oder den ukrainischen Präsidenten kritisiert, ist angeblich automatisch Putin-Freund. Wer Russland kritisiert, wird zum Kriegstreiber erklärt.
Wo ist eigentlich der Raum geblieben, in dem man eine eigenständige Meinung haben darf?
Ich will weder Dunja Hayali noch Alice Weidel dabei zuhören, wie mir die Welt erklärt wird. Ich will weder die immer gleichen linken Moralpredigten noch die Tiraden der AfD und ihrer Anhänger hören. Ich will mich nicht zwischen israelischer Regierung und Hamas, zwischen Putin und Selenskyj oder zwischen Kulturkampf A und Kulturkampf B entscheiden müssen.
Ich entscheide selbst, was ich richtig oder falsch finde.
Auch die Debatten über Männer und Frauen sind inzwischen häufig nur noch ein weiterer Grabenkampf. Natürlich wurden und werden Frauen diskriminiert, belästigt und ausgenutzt. Natürlich muss darüber gesprochen und dagegen gehandelt werden. Aber die pauschale Erzählung, Männer seien grundsätzlich Täter, rückständig oder moralisch minderwertig, führt ebenfalls nirgendwohin.
Menschen sind Individuen. Eigentlich keine besonders revolutionäre Erkenntnis. Im Jahr 2026 wirkt sie allerdings fast schon radikal.
Politisch fühle ich mich inzwischen heimatlos
Welche Parteien würde ich derzeit niemals wählen?
AfD: Niemals. BSW: Niemals. Die Linke: Niemals. SPD: Niemals in ihrem gegenwärtigen Zustand. Das „S“ kann man sich inzwischen kaum noch erklären. CDU/CSU: Ebenfalls nicht. Beim „C“ stellt sich für mich dieselbe Frage. Die Grünen: Derzeit niemals. Eine Partei, die wieder glaubwürdig für Natur, Frieden und eine pragmatische ökologische Politik stehen würde, könnte interessant sein. Davon sehe ich aktuell jedoch wenig. FDP: Vielleicht irgendwann wieder. Aber nur, wenn sie zu einem eigenständigen liberalen Ansatz zurückkehrt, sich personell erneuert und nicht mehr bloß Mehrheitsbeschafferin für größere Parteien spielt.
Eigentlich fehlt genau dort eine vernünftige Partei: liberal, sozial verantwortlich, wirtschaftlich kompetent, konsequent gegen jede Form des Extremismus und ohne permanenten Kulturkampf.
Was bleibt ansonsten?
Vielleicht die Bierpartei. Oder die Partei der Kleingartenbesitzer, sofern es sie gibt. Vermutlich würde auch die sich nach drei Monaten in einen linken und einen rechten Flügel spalten und anschließend über die politisch korrekte Höhe von Gartenzäunen streiten.
Meine Politikverdrossenheit entsteht nicht, weil mir alles egal wäre. Im Gegenteil.
Sie entsteht, weil Parteien Versprechen machen, die sie nicht halten. Weil Ämter und Einfluss verteilt werden. Weil Fehler selten eingestanden werden. Weil jede Seite den Bürgern erklärt, die jeweils andere Seite sei an allem schuld.
Und anschließend wundern sich alle, warum extreme Parteien Zulauf bekommen.
Vielleicht deshalb, weil die etablierten Parteien viele Probleme jahrelang nicht gelöst, kleingeredet oder nur kommunikativ verwaltet haben. Politik ist aber keine Talkshow. Irgendwann müssen Ergebnisse entstehen.
Dasselbe gilt für viele Medien und soziale Netzwerke. Überschriften werden maximal zugespitzt, weil Empörung Klicks bringt. Darunter beschimpfen sich rechte und linke Lager gegenseitig, als hinge die Zukunft der Menschheit von einem Facebook-Kommentar ab.
Währenddessen kommt die Wirtschaft nicht voran, Infrastruktur zerfällt, Bürokratie wächst und viele Menschen verlieren das Vertrauen in Politik und Medien.
Redet überhaupt noch jemand mit Menschen, die anderer Meinung sind?
Ich habe nicht den Eindruck.
Jeder sortiert jeden sofort in eine Schublade ein: links, rechts, woke, Nazi, Kommunist, Putin-Freund, Kriegstreiber, Antisemit, Islamfeind oder was gerade in die gewünschte Erzählung passt.
Vielleicht wäre der erste Schritt aus diesem Irrsinn ganz einfach:
- Extremismus bleibt Extremismus.
- Terror bleibt Terror.
- Rassismus bleibt Rassismus.
- Menschenrechte gelten für alle.
- Kritik muss möglich sein.
- Und niemand hat automatisch recht, nur weil er sich selbst für moralisch überlegen hält.
Ich will keine Regierung, keine Religion, keine Nation und keine politische Bewegung bedingungslos unterstützen.
Ich will hinschauen, selbst denken und Widersprüche benennen dürfen.
Offenbar ist bereits das zu viel verlangt.
Rant over.






