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Welchen Platz hat Hive für mich noch?

Maybe the most interesting question about Hive is not what we can build with it – but whether there is still enough room to build something of our own.

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Picture by @vanje

In den letzten Tagen habe ich viel über Hive nachgedacht. Eigentlich mehr, als ich ursprünglich vorhatte. Dabei bin ich immer wieder bei einer Frage gelandet, die ich mir bisher gar nicht so bewusst gestellt hatte:

Gibt es hier noch genügend Freiraum, dass ich etwas Eigenes beitragen kann, ohne mich einer bestehenden Struktur unterordnen zu müssen?

Ich meine das nicht als Kritik an Hive. Im Gegenteil. Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, was mir diese Plattform gegeben hat. Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum ich diese Frage inzwischen stelle. Ich versuche gerade herauszufinden, was mir Hive heute noch gibt – und was ich selbst noch geben möchte.

Was bringt mir Hive?

Für mich war Hive lange mehr als eine Plattform, auf der ich Beiträge veröffentliche. Es war ein Ort, an dem ich Gedanken formulieren, andere Sichtweisen kennenlernen und mich mit Dingen beschäftigen konnte, die mich interessieren. Schreiben und Reflektieren gehörten für mich lange zusammen. Auch die Interaktion mit anderen war wichtig. Nicht jeder Beitrag muss eine große Diskussion auslösen. Manchmal reicht ein kleiner Gedanke, ein Kommentar oder sogar ein bisschen Humor, damit zwischen Menschen etwas entsteht.

Aber ich frage mich inzwischen auch, ob das noch ausreicht. Denn viel Content bedeutet nicht automatisch viel Austausch. Und vielleicht ist genau das eine der Fragen, über die wir einmal nachdenken sollten.

Kuration ist ebenfalls mehr als eine Bewertung

Ich habe mich in letzter Zeit auch häufiger gefragt, warum ich bestimmte Beiträge kuratiere. Manchmal ist es ganz einfach: Der Beitrag ist gut und ich möchte ihn unterstützen. Manchmal ist es aber auch etwas anderes. Ein Beitrag ist vielleicht nicht besonders spektakulär, aber ich bekomme durch ihn einen kleinen Einblick in den Menschen dahinter. Oder ich freue mich einfach, dass jemand deutschsprachigen Content veröffentlicht und hier aktiv ist. Dann ist der Beitrag für mich nicht unbedingt „minderwertig“. Er hat nur einen anderen Wert.

Das bringt mich zu einer weiteren Frage:

Wie viel persönlicher Wert steckt eigentlich in Kuration, der sich gar nicht objektiv messen lässt?

Und dann ist da noch der finanzielle Aspekt

Ich glaube, wir sollten auch darüber ehrlich sprechen. Früher konnte ein guter Beitrag auf Hive durchaus einen spürbaren finanziellen Wert erreichen. Heute sieht das bei vielen Beiträgen ganz anders aus. Der Aufwand für einen guten Reisebericht, Fotos, Recherche oder einen ausführlichen Beitrag ist aber nicht automatisch kleiner geworden.

Wenn der finanzielle Anreiz sinkt, stellt sich deshalb irgendwann die Frage:

Was hält Menschen trotzdem hier?

Geld ist sicher nicht alles. Aber so zu tun, als wäre es unwichtig, halte ich ebenfalls für unrealistisch. Und vielleicht muss der wirtschaftliche Nutzen auch gar nicht ausschließlich aus dem Rewardpool kommen.

Vielleicht ist Bloggen nur der Anfang

Genau hier wird Hive für mich wieder interessant.

Ich frage mich inzwischen weniger:

Welche neue Anwendung brauchen wir auf Hive?

Sondern eher:

Welches Problem außerhalb von Hive könnte durch die Eigenschaften von Hive tatsächlich sinnvoller gelöst werden?

Hive bringt einige Eigenschaften mit, die interessant sein können:

  • schnelle und kostengünstige Transaktionen
  • dezentrale Infrastruktur
  • nachvollziehbare Vorgänge
  • HIVE und HBD
  • bestehende Accounts und Reputation
  • eine vorhandene technische Infrastruktur

Aber natürlich gilt auch:

Nicht jedes Problem braucht eine Blockchain.

Vielleicht liegt die interessante Anwendung also gar nicht dort, wo wir bisher danach gesucht haben. Vielleicht müsste zuerst das Problem gefunden werden – und erst danach die Frage kommen, ob Hive dafür überhaupt das passende Werkzeug ist.

Aber damit beginnen auch die schwierigen Fragen

Denn ein Ökosystem muss nicht nur Anwendungen hervorbringen können. Es muss ihnen auch Raum geben, sich zu entwickeln.

Ich bin dabei über ältere Projekte und Gemeinschaften gestolpert, die irgendwann sehr viel Interaktion erzeugt haben und später wieder verschwanden. Eine wöchentliche „Kneipe“ zum Beispiel, in der Menschen sich vorstellen, diskutieren, über Hive sprechen oder einfach Unsinn machen konnten. Zeitweise entstanden dort hunderte Kommentare. Das ist für mich interessant, weil es zeigt, dass Interaktion durchaus entstehen kann, wenn es einen passenden Ort und einen Anlass dafür gibt.

Gleichzeitig stellt sich aber die Frage:

Wie viel Freiraum hat ein solches Ökosystem für eigene Experimente?

Technische Dezentralität bedeutet schließlich nicht automatisch, dass auch wirtschaftliche oder soziale Macht gleichmäßig verteilt ist. Große Stakeholder haben Einfluss. Das ist nicht automatisch schlecht und auch nicht grundsätzlich vermeidbar. Aber es bedeutet, dass wir vielleicht genauer hinschauen müssen, wenn wir über ein dezentrales Ökosystem sprechen. Denn ein System kann technisch dezentral sein und trotzdem Bereiche haben, in denen wenige Akteure sehr viel Einfluss besitzen.

Auch Anreize können in beide Richtungen wirken

Das ist für mich eine der schwierigsten Fragen. Zu wenig finanzieller Anreiz kann dazu führen, dass Menschen irgendwann sagen:

„Warum soll ich noch Stunden in diesen Beitrag investieren?“

Zu starke oder falsch gesetzte Anreize können aber ebenfalls Probleme verursachen. Dann wird irgendwann nicht mehr unbedingt der eigentliche Nutzen optimiert, sondern das System selbst. Voting, Rewards, Delegationen, gegenseitige Unterstützung – all das kann Menschen motivieren. Aber es kann auch dazu führen, dass sich Gruppen bilden, die vor allem versuchen, möglichst viel aus dem bestehenden System herauszuholen.

Wo liegt also die richtige Mitte? Wie schafft man Anreize, ohne dass der Anreiz selbst zum eigentlichen Zweck wird?

Und genau hier stehe ich gerade selbst

Vielleicht ist das der eigentliche Grund für diesen Post. Ich habe in den letzten Tagen gemerkt, dass ich manchmal gar keine große Lust mehr habe, etwas auf Hive zu veröffentlichen. Nicht, weil ich Hive schlecht finde. Ich glaube vielmehr, dass ich das System inzwischen einigermaßen einschätzen kann. Ich sehe seine Möglichkeiten. Ich sehe aber auch seine Grenzen. Und wenn ich ehrlich bin, lautet mein derzeitiges Urteil ziemlich unspektakulär:

Für mich ist Hive okay. Aber ist „okay“ noch genug, um weiterhin Energie hineinzustecken?

Das weiß ich selbst noch nicht. Vielleicht brauche ich einfach einen anderen Zugang dazu. Vielleicht gibt es Anwendungen oder Möglichkeiten, die ich bisher übersehen habe. Vielleicht ist Hive für mich auch weiterhin vor allem ein Ort zum Schreiben, Reflektieren und für interessante Begegnungen. Oder vielleicht verändert sich meine Nutzung irgendwann ganz.

Was denkst du – sagst es aber selten laut?

Deshalb möchte ich diesmal gar nicht nach der großen Lösung fragen. Mich interessiert etwas viel Einfacheres:

Was bringt dir Hive persönlich? Was hält dich hier? Was würdest du gerne tun, findest dafür aber keinen richtigen Raum? Welche Möglichkeit siehst du, die bisher kaum jemand nutzt? Wo stößt du an Grenzen? Und gibt es etwas, das du über Hive denkst, aber bisher selten ausgesprochen hast?

Du musst diese Fragen nicht alle beantworten. Ein Gedanke reicht.

❗ Eine kleine Bitte habe ich diesmal allerdings:

Antworte nicht nur mir. Such dir einen Kommentar aus und geh auf den Gedanken eines anderen ein. Wenn noch niemand kommentiert hat, fang einfach an – und schau später noch einmal vorbei, ob du auf jemanden reagieren kannst. Denn vielleicht entsteht ein gutes Gespräch nicht aus einer besonders klugen Aussage, sondern aus einem kleinen Gedanken, den jemand einfach in den Raum stellt.

Vielleicht ist „zu banal“ deshalb manchmal nur eine Ausrede.

Comments · 9

  • @irgendwo(67)· 1d

    Auch Anreize können in beide Richtungen wirken „Warum soll ich noch Stunden in diesen Beitrag investieren?“

    Ich denke, viele haben von Anfang an, schnell begriffen, dass sich hier nicht das grosse Geld machen laesst. Das Problem ist nicht, wie viel pro Post verdient werden kann, denn es gibt bereits tausende Blogs im Internet, auf denen Beitraege verfasst werden, nur so, weil jemand spass an einem Thema hat. Sondern, was das Problem ist: Hive hat es nie geschafft, auf die selbe Ebene, wie alle anderen, bereits existierenden Social Media Plattformen zu kommen.

    Weder hat Hive die Themenvielfalt von reddit, die Vielfalt an Gruppen auf Facebook, noch werden kurze Posts wertgeschaetzt wie die, die sich auf X finden lassen. Und echte Plattformen fuer Blogs sind deutlich meachtiger.

    Was besonders ironisch ist: Vieles von dem, was schon auf den oben genanten Platformen als unterirdisch gilt, hat hier relativ schnell, massiven Einzug erhalten.

  • @vanje(73)· 1d

    Ich lese hier gerade mit großem Interesse mit. 😊 Ich halte mich bewusst etwas zurück, weil ich mit meinem Post genau das ausprobieren wollte: einen Gedanken in den Raum stellen und schauen, was andere daraus machen.

    Einige eurer Punkte gehen bei mir schon deutlich weiter. Ich werde mich damit sicher noch beschäftigen, aber im Moment möchte ich einfach einmal zuhören, statt sofort wieder selbst in die Diskussion einzusteigen.

  • @w74(74)· 1d

    Übermittelte Gedanken, die bestenfalls einen ausgiebigen Diskurs über das Sorgenkind provozieren. Ein Grund mehr für mich, den Griffel in die Hand zu nehmen und meine Sichtweise einzubringen. Nostalgische Rückblenden sind und bleiben allerdings nicht meine Sache. Mal sehen, was dabei herauskommt. Nur so viel vorweg: Wer Wertschätzung für sein eingebrachtes Produkt erwartet, der sitzt hier auf dem vollkommen falschen Dampfer.

  • @schmidi(74)· 1d

    Guter Post ...

    Geld ist ein Anreiz und du bekommst hier immer noch mehr, als auf Web2. Das ist sehr wohl ein wichtiger Punkt. Darüber hinaus liebe ich das Schreiben, das Bloggen und letztendlich auch die Community. Ich durfte wunderbare Menschen von der ganzen Welt kennen lernen und genau das macht Spaß. Weiteres sehe ich es als Tagebuch. Angefangen habe ich natürlich a) wegen des Geldes und b) um einfach auch mehr Reichweite zu bekommen.

    Da ich sowieso meinen Content für andere Kanäle erzeugte, dachte ich mir, es ist cool, es hier auch zu teilen und dafür Geld zu bekommen.

    Ob sich HIVE wieder erholt? Nun ich denke, dies kann nur passieren wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, dennoch sind da zu viele ??? und letztendlich auch Redflags und wie ich schon immer wieder betonte: Ohne neue User, gutes Marketing und den Wille dahinter HIVE wachsen zu sehen, wird wenig bis gar nichts passieren.

    Ich wünschte ich würde mit meinem "Basicwissen" als Anwender irren, aber anscheinend ist die HIVE ein Bonzi, wie vieles andere, wo sich da ganz oben ganz andere Menschen bereichern. Ich kann mich noch an Postings und Gespräche erinnern, wo mir empfohlen wird in HIVE zu investieren und zu kaufen. Ich tat es und womöglich tue ich es wieder, allerdings muss sich da oben etwas ändern.

    Fazit: ich bleibe, ich liebe das digitale Tagebuch und teils die Community dahinter.

  • @reiseamateur(73)· 1d

    Ja die gute alte "Kneipe" ein muss Treffpunkt jeden Sonntag um 20.00uhr 😎 Vieles wurde da mitgeteilt, neue User, Neuerungen rund um die Chain, Rätsel Spaß und und und!

    Auch die Lotto Gemeinschaft machte riesigen Spaß!

    Ich könnte jetzt noch weiter Aufzählen,....

    Es gab mal ein Credo, vor vielen Jahren: Hilf den kleinen sogroß wie du zu werden, sodass jener das gleiche macht wie du!

    Lg 🤠

  • @jaki01(77)· 1d

    HIVE ist ein verdammt schlechtes Investment (ich powere jetzt - viel zu spät - endlich auch noch meine verbliebenen Rest-HIVE down). Die Blockchain wird von sich gegenseitig Vorteile zuschanzenden Oligarchen nach Belieben dominiert, die selbst dann noch daran verdienen, wenn das Investment der Normaluser (also derer, die keine Early-Miner waren oder Ex-Bidbotter sind) aufgrund des verschwenderisch-kurzsichtig-egoistischen Verhaltens der 'Bosse' bereits zusehends entwertet wird.

    Da fast alles über automatisierte Trails abläuft, bekommt ein Großteil der Neulinge auf HIVE keinen Fuß auf den Boden, es sei denn, sie werden von einem "Trail-Leader" zum votenswerten Gut-HIVE-ling erklärt. :-)

    Den finanziellen Aspekt KOMPLETT ausblendend, ist HIVE ein geeigneter Ort, um eigene Gedanken, Ideen, Erinnerungen und Erlebnisse dauerhaft auf einer Blockchain zu hinterlegen. Würde ich ein besseres blockchainbasiertes soziales Netzwerk finden (wonach ich regelmäßig Ausschau halte), wären meine Tage auf HIVE gezählt.

    (Vielleicht besteht bei einem Preis von ca. einem Cent/HIVE die Hoffnung auf einen Neubeginn, wenn die Zitrone derartig ausgepresst ist, dass es sich nicht weiter zu pressen lohnt, einige der Aasgeier das sinkende Schiff verlassen und nur diejenigen bleiben, denen es tatsächlich um guten Content geht ... vermutlich Wunschdenken ...)

  • Ui, da hast du ja richtig Arbeit und "Gehirnschmalz" in den Beitrag investiert. Das ist richtig gut!!!

    Ich nutze HIVE als eine Art Online Tagebuch. Ursprünglich wollte ich eigentlich nur ein wenig meine Musik posten. Wegen HIVE bin ich aber zum Fotografieren gekommen, womit ich nicht sagen will, daß ich ein guter, v.a. ein handwerklich guter Fotograf bin. Bin ich nicht, weiß ich. ;-) Aber es macht mir Spaß. Das Belohnungssystem ist auch wichtig. Klar. Zudem habe ich hier coole Leute kennengelernt und manche davon sogar "real" getroffen. Schade finde ich, daß manche hier vertrieben, oder zumindest rausgespült und demotiviert wurden. Das hätte nicht sein müssen - nein, das müsste nicht sein. Aber wo Licht ist, ist eben auch Schatten.

  • Hive ist mittlerweile vor allem ein digitales Tagebuch, um festzuhalten, was mich interessiert und was ich teilen und aufbewahren möchte. Wie gerne hätte ich so etwas von meinen Großeltern gehabt, das wäre spannend gewesen, zu lesen. So hoffe ich, dass es einmal interessant für meine Enkel sein könnte.

  • @vanje(73)· 2d

    Mein Gedanke: Manchmal entsteht ein gutes Gespräch nicht aus einer besonders klugen Aussage, sondern aus einem kleinen Gedanken, den jemand einfach in den Raum stellt. Vielleicht ist „zu banal“ deshalb manchmal nur eine Ausrede.

    My thought: Sometimes a good conversation doesn’t start with a particularly clever statement, but with a small thought that someone simply puts out there. Maybe “it’s too trivial” is sometimes just an excuse.