Heute schaue ich mal wieder zurück auf unsere letzte Kurzreise in die Aizuregion. Die Jahreszeiten waren gerade am wechseln und die Natur um uns war noch nicht so ganz erwacht aus ihrem Winterschlaf. Aber trotzdem zeigte sich die Welt hier von einer ganz besonderen, äußerst reizvollen Seite, welche mich wie üblich schnell in ihren Bann gezogen hatte.
Hier auf dem Land, und vor allen hier im den Bergen, bekommt man ein ganz anderes Japan geboten, als man es aus den Reisekatalogen kennt. Alles ist einfacher, und auch älter, dabei aber auch irgendwie ehrlicher und herzhafter. Ich fühle mich hier wohl und finde abseits der bekannten Reiseziele und Sehenswürdigkeiten doch eine ganze Menge, worüber ich mich freue.
Es sind oft ganz einfache Dinge, wie zum Beispiel Züge, die vor oder hinter einem über eine Brücke fahren. Ich weiß gar nicht so genau, was den Reiz solcher Anblicke ausmacht - vielleicht ist es das Gefühl, dass man selber gerne in einem dieser Züge sitzen würde, um zuzuschauen, wie die Welt an einem vorbeizieht.
In diesem unseren Fall wäre es dann Fernweh, während man in der Ferne ist. Klingt eigentlich ziemlich lustig, aber irgendwie trifft das wohl doch zu. Zumindest bei mir, der in Sachen Fernweh wahrscheinlich ziemlich anfällig ist.
Und Züge haben auch in unseren modernen Zeiten oft einen leicht romatischen Charakter, ganz anders als Flugzeuge zum Beispiel. Beim Fliegen sieht man viel zu wenig, und zusätzlich ist es meist auch recht eng und nicht wirklich angenehm. Zugreisen dagegen haben einen ganz anderen Charakter und sind ganz nah dran an Land und Leuten. Dabei ist es dann auch egal, ob man nun an riesigen Hauptbahnhöfen und an kleinen Stationen auf dem Land anhält, wobei ich derzeit die kleineren verträumten Bahnhöfe vorziehe, an denen nur eine Handvoll Menschen ein- oder aussteigt.
Nun ja, wir sind diesmal nicht mitgefahren und haben nur unsere Sehnsüchte auf oder in die Züge vor uns transportiert. Ein wenig Melancholie gehört beim richtigen Reisen ja auch dazu, wobei Träumen dann ganz ausdrücklich erlaubt ist.
Wahrscheinlich war das dann auch der Grund, warum ich mich so gefreut habe, als ich die kleinen Züge auf den Brücken vor uns vorbeifahren sah. Ich gebe zu, unser Timing war nicht zufällig, und besonders im Fall der großen Brücke im Voraus geplant. Aber hier draußen, wo die Züge nur alle paar Stunden fahren, ist ein wenig Planung keine schlechte Idee, und sorgt dann auch für die nötige Vorfreude, die dem ganzen Erlebnis die richtige Würze verleiht.
Und auch wenn der Blick auf die große Brücke und das weite bewaldete Flusstal ein wenig eindrucksvoller und erhabener ist, habe ich mich doch auch sehr gefreut, als der kleine Zug auf der kleinen Brückenüberführung vorbeigerollt ist. Wie gesagt, zufällig gesehen haben wir den ja auch nicht, auch wenn es letztendlich doch eine fast spontane Aktion war.
In Gedanken bin ich jetzt noch beim Winken, und auch jetzt beim Schreiben dieser Zeilen, wünschte ich mir, ich würde jetzt in genau diesem Zug sitzen, und eime Runde durch das Herz des Landes fahren. Ganz ohne Ziel und ohne Eile, einfach nur unterwegs sein, des unterwegs Seins wegen. Und dabei würde die Welt an mir vorbeiziehen, und meine Träume und Gedanken würden zusammen mit mir auf eine wundervolle Reise gehen.
Ich könnte sofort aufbrechen!

