scrobble.life
Deutsch D-A-CH

UNO beschliesst neue Globusprojektion, um Afrika nicht länger zu diskriminieren

Liebe Leser,

eine der bekanntesten Kartendarstellungen der Erde ist die sogenannte Mercator-Projektion aus dem 16. Jahrhundert, benannt nach dem schon zu Lebzeiten berühmten flämischen Kartografen Gerhard Mercator (1512-1594). Auch der Begriff "Atlas" stammt von Mercator, dessen gesammelte Karten unter diesem Namen posthum von seinen Söhnen in Form eines allerersten Weltatlas publiziert wurden. image.png https://www.theguardian.com/world/2026/sep/04/un-vote-world-map-mercator-equal-earth-africa

Die Mercator-Projektion ist winkeltreu und ermöglichte Schiffen wesentlich besser, einen genauen Kurs zu berechnen. Dadurch revolutionierte sie in den folgenden Jahrhunderten die Seefahrt. Bis heute ist sie der Goldstandard, auch Google Maps benutzt diese Darstellung des Globus, wie man leicht selber nachsehen kann.

Doch sie hat einen Nachteil: Sie verzerrt die Grössenverhältnisse. Es gibt übrigens keine Karte der Erde, die korrekt ist. Es ist topologisch unmöglich, eine dreidimensionale Kugel-Oberfläche auf einer Ebene fehlerfrei abzubilden. Wer schon einmal die Schale einer Orange oder Mandarine auf einem Tisch plan aufgelegt hat, wird verstehen, was ich meine. Bei der Mercator-Projektion werden die "leeren Stellen" vermieden, indem die Breitenkreise nach Norden und Süden immer weiter auseinandergezogen werden, wie in dieser Karte gut zu sehen ist. Quadrate am Äquator werden zu immer länglicheren Rechtecken in Richtung der Pole. Dadurch wird aber z.B. Grönland riesig, fast größer als ganz Afrika (obwohl seine Fläche nur 1/14 der von Afrika ist). image.png https://map-projections.net/compare.php?p1=equalearth&p2=mercator-84

Ganz anders dagegen ist die sog. Equal-Earth-Projektion (2018 von Bojan Šavrič, Bernhard Jenny und Tom Patterson entwickelt). Hier sind die Größenverhältnisse korrekt dargestellt, allerdings sind die Winkel nicht richtig und es kommt zu mehr Verzerrungen als bei Mercator. image.png https://map-projections.net/compare.php?p1=equalearth&p2=mercator-84

Größenvergleich Grönland-Afrika mit beiden Kartentypen: image.png https://www.srf.ch/news/international/uno-empfiehlt-neue-weltkarte-eth-kartograf-die-equal-earth-karte-ist-flaechentreu

Warum erwähne ich das überhaupt? Weil das Land Togo (als Vertreter der Afrikanischen Union) von der UNO gefordert hatte, die Mercator-Projektion nicht mehr zu verwenden und stattdessen auf die Equal-Earth-Projektion zu wechseln, denn Erstere würde Afrika benachteiligen! Begonnen hatte alles mit der Petition #CorrectTheMap to Show Africa’s True Size, die gerade einmal von 13000 Personen unterschrieben wurde (Stand 13.9.2026) - na ja, nicht sehr berauschende Beteiligung. Die Initiatoren glauben, dass durch die verfälschende Darstellung Afrikas schädliche Fehlvorstellungen über seine geopolitische und ökonomische Bedeutung verstärkt würden ("misrepresenting Africa’s true scale reinforces harmful misconceptions about its geopolitical and economic significance."). Andere Befürworter der Initiative sprechen von westlichen Stereotypen, Euro-Zentrismus und gar von "kartographischem Kolonialismus", der gestoppt werden muss.

Und tatsächlich wurde am 4.9.2026 in der UNO-Generalversammlung in New York Resolution A/80/L.104 beschlossen, die vorgibt, die Mercator-Projektion bei Behörden, in Schulen und Unternehmen nicht mehr zu verwenden, zugunsten der Equal-Earth- und anderen flächenneutralen Projektionen, Zeitplan dafür gibt es keinen. In der See- und Luftnavigationen darf die Mercator-Projektion aber beibehalten werden. Eine UNO-Resolution ist übrigens nicht bindend. 164 Länder hatten dafür gestimmt, sechs sich enthalten und nur ein Land hatte dagegen gestimmt - die USA, die den Vorschlag als überflüssig bezeichneten!

Ich finde das Moralargument für komplett überzogen, aber es passt perfekt in den Zeitgeist, wo alles so interpretiert wird, als wäre es gegen Nicht-Weiße gerichtet. Wer sich ständig als Opfer sieht, braucht die Schuld für eigene Missstände nicht bei sich selbst suchen. Mercator wollte eine bessere Karte für die Navigation und nicht, um die Afrikaner oder Brasilianer zu unterdrücken. Australien hatte er noch nicht einmal gekannt (es wurde erst entdeckt, nachdem er gestorben war) und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Australier sich diskriminiert fühlen durch die derzeitigen Karten. Eine perfekte Weltkarte, die es allen recht macht, ist eben unmöglich, auch die Equal-Earth-Projektion hat ihre Nachteile. Ich glaube auch nicht, dass durch den Wechsel Afrika plötzlich als potenterer Wirtschaftsfaktor angesehen werden wird, Wohlstand korreliert mit ganz anderen Faktoren (z.B. dem Durchschnitts-IQ seiner Einwohner).

Einen Vorteil hat aber die neue Projektionsmethode: Dadurch, dass Afrika viel größer dargestellt wird im Vergleich zu Europa, erscheint der linkshypermoraline Optimismus von wegen "Wir haben Platz", und dass das ohnehin schon dichtbevölkerte Europa beliebig viele Wirtschafts- und Klimaflüchtlinge aufnehmen könne, nur noch grotesker. Und für die ganz Dummen unter den Politikern und Gehirngewaschenen wird Russland in Zukunft weniger bedrohlich erscheinen, wenn es plötzlich "geschrumpft" ist 🤡!

Was meinst Du dazu?

Quellen: https://www.theguardian.com/world/2026/sep/04/un-vote-world-map-mercator-equal-earth-africa https://www.srf.ch/news/international/uno-empfiehlt-neue-weltkarte-eth-kartograf-die-equal-earth-karte-ist-flaechentreu https://en.wikipedia.org/wiki/World_map

Comments · 6

  • @angeluxx(75)· 12h

    I don't know much about maps or cartography—and certainly not about politics—so I would have liked to know why the United States considers it irrelevant; I'll have to look into it. I partly understand your position; it reminds me of a time in my country when they changed the direction the horse's head was facing on our coat of arms. Many people complained that they were focusing on trivial matters instead of addressing the issues that truly needed attention. Hehe, well, that happened in my country; I'll have to do some research on this specific case—it sounds interesting.

  • @hivebuzz(74)· 1d

    Congratulations @stayoutoftherz! You have completed the following achievement on the Hive blockchain And have been rewarded with New badge(s)

    You received more than 400000 upvotes.
    Your next target is to reach 410000 upvotes.

    You can view your badges on your board and compare yourself to others in the Ranking If you no longer want to receive notifications, reply to this comment with the word STOP

  • @w74(74)· 1d

    Ein Kommentar, der den Versuch in Angriff nimmt, der bürokratischen Absurdität das reale Empfinden von „groß“ bis „nicht ganz so groß“ oder „breit“ bis „extrabreit“ gegenüberzustellen. Platziere ich mich oberhalb des Weinberges, kommt mir mein Grundstück auf unbekannte Weise weit gedehnt vor (wie ein T-Shirt, das seine anschmiegsame Eigenart längs der Waschmaschine zum Fraß vorwarf). Stehe ich am Hühnerstall, erscheint es mir, als hätte jemand an der hinteren Spitze den neuen Seilzug ausprobiert und aus meinem Gelände eine herausgestreckte Zunge fabriziert (ähnlich dem Kaliber der Rolling Stones). Lungere ich allerdings zwischen den Obstbäumen mit den Erntekörben oder der Sense nahe dem blühenden Futterklee, dann überwiegt die Erkenntnis: »Mein lieber Herr Gesangsverein, das hier wächst dir langsam arbeitsmäßig alles über den Kopf.« Alle Gedanken bezüglich „breit“, „schmal“ oder „riesig“ haben sich längst in die Mülltonne verabschiedet. Andererseits, aber dabei handelt es sich lediglich um eine von mir gebastelte Vermutung, wird die neue Weltkarte, die Fragen zu meinem Grundstück unbeantwortet lässt, kaum den Mann im Süden des Sudans davon abhalten, in die neuen Wanderschuhe von Deichmann zu schlüpfen, um Richtung Norden zu wandern.

  • Dein letzter Absatz ist köstlich, da stimme ich voll bei:

    Einen Vorteil hat aber die neue Projektionsmethode: Dadurch, dass Afrika viel größer dargestellt wird im Vergleich zu Europa, erscheint der linkshypermoraline Optimismus von wegen "Wir haben Platz", und dass das ohnehin schon dichtbevölkerte Europa beliebig viele Wirtschafts- und Klimaflüchtlinge aufnehmen könne, nur noch grotesker. Und für die ganz Dummen unter den Politikern und Gehirngewaschenen wird Russland in Zukunft weniger bedrohlich erscheinen, wenn es plötzlich "geschrumpft" ist 🤡!

    Allerdings kann man die selben Erkenntnisse auf einem Globus sehen der ja in keinem Klassenzimmer fehlen sollte.

    Jetzt kommt mir der Weg zu meiner Schwester in Niederösterreich auf der 'Equal Earth' viel kürzer vor, aber der Pimperlzug von Wiener Neustadt aus brauch deshalb trotzdem 50 Minuten und von meinem Standort Floridsdorf aus bin ich voll genervte 1Std50Min unterwegs, sollte ich aber den Zug in Wiener Neustadt verpassen, dann rechne noch eine halbe Stunde dazu, weil ich nur 5 Minuten zum Umsteigen habe, bin aber nicht mehr der Rüstigste.

  • @behiver(77)· 1d

    Map rescaling using appropriate measuring is a good thing, although not something with impact in the real life. But it is important to show things as they are nevertheless.

  • Ich würde ja einfach mal tauschen. Wir ziehen alle in ein schönes Land in Afrika und dieses Land zieht zu uns und dann gucken wir mal wie das in zehn Jahren aussieht. Das wäre doch mal ein perfektes Testszenario